Der Martinez ist die Urform des „Königs der Cocktails“, des Dry Martini Cocktail. Das Zusammenspiel zwischen Gin und Vermouth hat seit der ersten Niederschrift des Rezeptes im Jahre 1884 vielen Wandlungen erfahren: der damals benutzte, leicht gesüsste Old Tom Gin war über viele Jahrzehnte nur schwer erhältlich, auch der allgemeine Geschmack änderte sich über die Jahrzehnte hin zu trockenen Drinks.
Wir stellen euch hier zwei Rezepte gegenüber, die beide den jeweiligen Geschmack ihrer Zeit sehr schön widerspiegeln:
„HOW TO MIX ALL KINDS OF DRINKS“, Jerry Thomas (Zweite Ausgabe, 1887)
1 Dash (Spritzer) Bitter
2 Dashes Maraschino
1 Pony-Glas (3 cl) Old Tom Gin
1 Weinglas (6 cl) Wermut
1 Zitronenviertel
Wir benutzen für unseren Martinez Cocktail Angostura Bitters, die dem damals benutzten Bitter recht nahekommen dürften und roten Wermut. Heller Wermut war damals noch recht unbekannt und kam erst in Mode, als neben italienischem auch französischer Wermut importiert wurde (ab ca. 1890). interessanterweise gibt Jerry Thomas an, man solle den Drink schütteln. Auch hier halten wir uns an das Original-Rezept des Meisters und Erfinders des modernen Bartendings.
„THE ESSENTIAL COCKTAIL“, Dale DeGroff (2008)
2 Dashes französischen Wermut
2,5 OunceS (7,4 cl) Dry Gin
1 Olive
Ein Monster von einem trockenen Martini: zwei Tropfen trockener Wermut und 7,4 cl trockener Gin – wir verwenden Tanqueray No. 10, einem eigens für Martini Cocktails entwickelten trockenen Gin. Staub-trocken und – gerade als Aperitif – eine echte Herausforderung. Ob die Olive hilft, diesen Drink zu verkraften? Schmecken tut sie jedenfalls.